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... von Anke Poggel
Bitte, versuchen Sie immer erst abzuklären, ob der gefundene Vogel tatsächlich Hilfe benötigt, oder ob er nur aus Unwissenheit mitgenommen wurde und eventuell unter Beobachtung an den Fundort zurück gebracht werden kann.
Menschlicher Hilfe bedürfen eigentlich nur
- Verletzte oder kranke Jungvögel - Noch nackte, unbefiederte Jungvögel - Katzenopfer - Am Boden gefundene Mauersegler und Schwalben
Steht fest, dass der Vogel tatsächlich Ihre Hilfe braucht, so sollten die folgenden Punkte als Erste-Hilfe-Maßnahmen befolgt werden: Fühlt sich der Vogel kühl an, ist er nackt (unbefiedert)? Wärmen Sie den Vogel zunächst mit Ihren Händen und durch Anhauchen, bis er sich wieder warm anfühlt. Danach betten Sie ihn in ein Nest, das mit warmen Wollsocken ausgelegt ist. Halten Sie den Vogel warm, zum Beispiel mit einer unter das Nest gelegten Wärmflasche. Die Temperatur im Nest sollte etwa 30°C betragen, solange der Vogel noch keine Federn hat. Bringen Sie das Nest mit dem Vogel in einem luftdurchlässigen, ausbruchsicheren Karton unter. Was soll ich dem Vogel als erstes verabreichen? Geben Sie dem Vogel zuerst vorsichtig einen Tropfen Traubenzuckerlösung (ca. zehnprozentig). Wenn es nicht zu lange dauert, können Sie auch in einer Apotheke Elotrans oder Oralpädon besorgen und auflösen. Die Lösung nicht in den offenen Schnabel geben, sondern tropfenweise an den Rand des geschlossenen Schnabels. Der Tropfen wandert dann von allein nach innen und wird vom Vogel abgeschluckt. Was kann ich erst einmal verfüttern?
Als vorübergehendes Notfallfutter können Sie hartgekochtes Eigelb mit etwas Magerquark mischen, zu Kügelchen formen und dem Vogel geben. Diese Mischung führt oft zu Verdauungsproblemen, sie ist ausschließlich zum Überbrücken der Zeit, bis das auf die Bedürfnisse der Vogelart abgestimmte Futter beschafft werden kann, zu geben! Ein ebenfalls gutes Notfallfutter sind in Wasser eingeweichte Beoperlen, die man im Zoogeschäft bekommen kann. Auf keinen Fall sollten Katzenfutter, Regenwürmer (außer für Amseln und andere Drosseln), Hackfleisch oder Milchprodukte gegeben werden! Auch Mehlwürmer oder lebende Fliegenmaden sollten vermieden werden. Von der weiteren Aufzucht durch Laien wird grundsätzlich abgeraten, da leider dabei sehr viel aus Unwissenheit falsch gemacht werden kann. Häufig kommt es bei Einzelaufzuchten zu Fehlprägung auf den Menschen, was das spätere Auswildern erheblich erschwert (besonders anfällig hierfür sind z.B. Rabenvögel). Bitte, seien Sie sich bewusst, dass Sie laut Naturschutzgesetz Wildvögel nicht als Haustiere behalten dürfen, sondern dass Sie Ihren Fundvogel nach erfolgreicher Aufzucht wieder in die Natur entlassen müssen. Dementsprechend gut sollte er also auf sein bevorstehendes Leben vorbereitet werden.
Ist die Entscheidung gefallen, dass ein Jungvogel ohne Zweifel menschlicher Hilfe bedarf, so ist es ratsam, sich an eine Wildvogelpflegestation zu wenden, die Ihnen weitere Ratschläge geben kann oder das Tier zur Aufzucht selbst übernimmt ( Ansprechpartner: z.B. Vogelpflegestation Birgland, Frau Poggel, Telefon 09666/188319 oder 0170/6689889).
Die Seite http://www.wildvogelhilfe.org/aufzucht/aufzucht.html gibt sehr ausführlich viele wichtige Hinweise zur richtigen Aufzucht von Jungvögeln aller Arten, die an dieser Stelle unmöglich vollständig genannt werden können.
Das wichtigste kann hier nur grob zusammengefasst wiedergegeben werden:
Zur artgerechten Auswahl des Futters und zur Wahl der arttypischen Unterbringung ist eine möglichst exakte Identifikation der Vogelspezies von größter Wichtigkeit.
Da die meisten Singvogelarten ihre Jungen mit Insekten aufziehen, können Sie mit diesen als Aufzuchtfutter erst einmal nicht viel falsch machen.
An Futtertieren eignen sich sehr gut so genannte Heimchen (eine Grillenart), die in vielen Zoogeschäften erhältlich sind. Man wählt etwa 1,5 – 2 cm große Insekten und tötet sie durch Einfrieren samt der Schachtel ab. Danach wird die benötigte Menge aufgetaut und dem Vogel verfüttert (vorher die harten Hinterbeine des Insekts entfernen).
Achtung: Mauersegler und Schwalben dürfen nur ausschließlich mit Heimchen gefüttert werden!!! Da man bei der Aufzucht dieser beiden Arten extrem viel falsch machen kann, wird dringend geraten, sie in kompetente Hände abzugeben.
Zusätzlich eignet sich für andere Vogelarten ein selbst hergestellter Brei, den man tagesportionsweise einfriert und mit Hilfe einer Spritze vorsichtig dem Vogel geben kann.
Der Brei besteht aus folgenden Bestandteilen:
1 Teil gemahlene Beoperlen (aus dem Zoogeschäft) 1 Teil Handaufzuchtpulver (aus dem Zoogeschäft), nicht zu verwechseln mit Eifutter 1 Teil gemahlene, gefrostete Pinkies (Fliegenmaden), die z.B. bei www.futter-spatz.de erhältlich sind. Notfalls können die gefrosteten Pinkies auch durch gutes gemahlenes Insektentrockenfutter ersetzt werden. Eine Prise Korvimin ZVT (bei Ihrem Tierarzt erhältlich) Eine Prise benebac-Pulver (bei Ihrem Tierarzt erhältlich)
Die Zutaten werden mit einer handelsüblichen Kaffeemühle fein gemahlen, gemischt und mit Wasser zu einem nicht zu dünnen Brei angerührt, der dann in kleinen Portionen eingefroren wird. Im Kühlschrank aufbewahrt können Sie eine aufgetaute Portion über einen Tag lang geben (auf Zimmertemperatur vor dem Füttern erwärmen). Der Vogel braucht kein zusätzliches Wasser, wenn er die Breinahrung bekommt.
Geben Sie dem Vogel nun abwechselnd Heimchen und den Brei, solange er bettelt und von Ihnen gefüttert werden muß. Die Fütterungsabstände sollten etwa zwei Stunden betragen, bei noch unbefiederten Nestlingen ca. 30 Minuten.
Verläßt der Vogel mit der Zeit sein Nest, sollte ihm von nun an schon in verschiedenen Näpfen Futter angeboten werden, das er später selbständig fressen kann. Wenn Sie sehen, dass der Vogel selbständig Nahrung aufnimmt, vergrößern Sie nach und nach die Fütterabstände. Insektenfresser bekommen z.B. gefrostete Insekten und lebende „Buffalos“ (Larven des Getreideschimmelkäfers) hingestellt. Körnerfresser fangen meist mit handelsüblichem Eifutter, einer Körnermischung für Kanarienvögel und Kräutern aus dem Garten an, von selbst zu fressen.
Den selbständig fressenden Vogel sollten Sie nun am besten in eine Auffangstation abgeben, wo er in einer Freivoliere untergebracht wird und schließlich dort richtig ausgewildert werden kann. Ihn einfach fliegen zu lassen, würde die ganze Mühe der Aufzucht höchst wahrscheinlich zunichte machen. |