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... von Tanya Feldmann
Igel sind dämmerungs- und nachtaktive, Insekten fressende Säugetiere. Ein erwachsener Igel wiegt zwischen 800 und 1500 Gramm und ist 24 bis 28 cm lang. Männchen sind in der Regel schwerer als Weibchen. Wussten sie dass ein Igel zwischen 6000 und 8000 Stacheln hat? Zum Schutz rollt sich der Igel bei Gefahr ein, was ihm im Straßenverkehr oft zum Verhängnis wird. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Igels beträgt in der Regel nur 2-4 Jahre, obwohl Igel durchaus 7 Jahre alt werden könnten. Igel haben einen hervorragenden Geruchssinn. Am Dach der Mundhöhle haben sie ein zusätzliches Organ zur Geruchswahrnehmung: das Jacobsonsche Organ.
Bei gewissen Gerüchen halten Igel den Kopf waagrecht, kauen und erzeugen im Maul schaumigen Speichel. Diesen Speichel setzen sie dann an Ihrer Brust und seitlich am Rücken ab. Dieses Selbstbespeicheln ist ein normales Verhalten und darf nicht mit einer Erkrankung (oft als Tollwut interpretiert) verwechselt werden. Igel sind Einzelgänger und kommen nur zur Paarungszeit zusammen. Diese ist zwischen Mai und August. Nach einer durchschnittlichen Tragzeit von 35 Tagen bringt das Weibchen meist vier 11 – 25 g schwere und 5,5 cm lange Igelchen zur Welt. Die Jungen werden im Allgemeinen im August und September geboren. Die Jungen werden nur tagsüber von der Igelin gesäugt, denn nachts ist die Mutter selbst auf Futtersuche. Mit ca. 4 Wochen wiegen die Jungen etwa 200 g und verlassen das erste Mal gemeinsam mit der Mutter das Nest. Mit spätestens 6 Wochen ist das Ende der Säugezeit erreicht und die kleinen Igel sind selbstständig geworden. Mit 70 Tagen haben die Jungen Igel ein Gewicht von 600 – 800 g erreicht. Um den Winterschlaf zu überleben müssen Jungigel ein Mindestgewicht von 450 g haben, erwachsene Igel sollten ein Gewicht von 1000 bis 1400 g haben. Je nach Witterung sind Igel von Mitte November/Anfang Dezember bis Mitte März/Anfang April in Winterschlaf. Im Winterschlaf fällt die Körpertemperatur von normalerweise 35 – 36 °C auf 1- 8°C ab. Alle 5 – 10 Tage erwärmen sich winterschlafende Igel um mehr als 30°C, um dann wieder abzukühlen. Die Herzfrequenz fällt von 180 – 300 Schlägen auf 8 Schläge pro Minute ab. Die Atemfrequenz fällt von 40 – 50 Atemzügen auf 3– 4 Atemzüge pro Minute. Dadurch sinkt der Energieumsatz auf ca. 10% ab, d.h. 10 Tage Winterschlaf benötigen dieselbe Energie wie ein Tag normale Aktivität. Während des Winterschlafes verliert ein Igel 40% seines Körpergewichtes.
Wann ist ein Igel hilfsbedürftig?
1.Verletzte und kranke Igel
- Igel, die am Straßenrand liegen, in Gruben oder Lichtschächten gefunden werden - Igel, die tagsüber Futter suchen, herumlaufen, evt. auch liegen bleiben - Offensichtlich kranke Igel, die sich häufig kaum ein rollen, mager sind; oft sitzen Fliegen auf ihnen und legen Eier auf sie ab.
2. Verwaiste Igelsäuglinge Igelbabys mit geschlossenen Ohren und Augen, die sich tagsüber außerhalb des Nestes bewegen und womöglich kühl anfühlen.
3. Untergewichtige Jungigel im Herbst Untergewichtige Jungigel laufen häufig tagsüber herum und suchen nach Futter. Solange es die Witterung es zulässt, sollte man die Jungigel in ihrer natürlichen Umwelt mit Hunde- oder Katzenfutter aus der Dose zufüttern. Igel haben einen hervorragenden Geruchssinn. Sie finden das ausgelegte Futter sehr schnell und kommen dann jeden Abend. Zusätzlich sollte die Möglichkeit zur witterungsgeschützten Überwinterung angeboten werden. Igel, die Mitte November noch unter 450 g wiegen, sollten aufgenommen werden.
4. Igel, die im Winter bei Eis und Schnee herumlaufen Diese Igel sind meist krank oder stark untergewichtig
Wenn sie einen hilfsbedürftigen Igel gefunden haben, bringen sie ihn unbedingt in die Praxis, um ihn anschauen zu lassen. Igel sind meist voll mit Zecken und Flöhen und leiden unter Wurmbefall, der behandelt werden muss.
Die Ernährung des Igelpfleglings
Igel dürfen niemals einseitig ernährt werden. Die Nahrung von Igeln muss fett- und eiweißreich sein. Als Hauptfutter eignet sich Katzen- und Hundedosenfutter oder Trockenfutter, hart gekochte Eier oder Rührei, gekochtes Hühnerfleisch, kurz angebratenes Hackfleisch, Fisch roh oder gekocht. Ein Leckerbissen für Igel sind im Zoofachhandel erhältliche Mehlwürmer. Diese sollten aber nur sporadisch verfüttert werden, da sie viel Fett aber nur wenig Nährstoffe enthalten. Als „Ballaststoff“ sollte dem Futter Weizenkleie, Haferflocken oder das im Handeln erhältliche Igeltrockenfutter zugesetzt werden. Einmal pro Woche sollte dem Igel Hühnerklein (Flügel, Hälse, Rücken) mit den Knochen angeboten werden. Dies ist für die Gebisspflege des Igels nötig. Das Futter sollte Raumtemperatur haben. Gefüttert wird einmal abends, Futterreste müssen weggeworfen und die Näpfe täglich heiß gespült werden. Anfangs sollte der Igel einmal täglich gewogen werden, später einmal wöchentlich. Wenn ein abgemagertes Tier Nachholbedarf hat, kann es täglich 15 – 20 g zunehmen, später sollten es 10 – 15 g pro Tag sein. Igel verfetten bei übermäßiger Nahrungsaufnahme und zu wenig Auslauf leicht, was für das Tier ausgesprochen ungesund oder sogar tödlich sein kann. In der Regel reichen pro Igel 2 Esslöffel bis ein Joghurtbecher (150g) Futter täglich aus.
Ungeeignet sind süße oder gewürzte Speisen, Milchprodukte (Milch, Käse, Joghurt, Quark) Obst und Gemüse, Nüsse und Rosinen.
Trinkwasserbedarf
Zum trinken bekommt der Igel frisches Wasser. Geben Sie niemals Milch!
Unterbringung
Igel sind Einzelgänger. Nur Igelsäuglinge unter 5 Wochen können gemeinsam in einem Gehege untergebracht werden. Der Igel sollte in einem ruhigen, gut belüftbaren Raum mit Lichteinfall, normaler Luftfeuchtigkeit und Zimmertemperatur untergebracht werden. Igel können nachts sehr laut werden und auch die Geruchsentwicklung (meist vor allem dann wenn zu wenig Ballaststoffe zugefüttert werden) kann unangenehm werden. Das Igelgehege sollte mindestens 2 qm groß sein. Igel sind wahre Ausbruchkünstler, daher eignen sich am besten aus Holz-, Span-, oder Hartfaserplatten gebaute Kisten. Die Seitenwände müssen mindestens 50 cm hoch sein. Der Boden sollte mit Zeitungspapier ausgelegt sein. Niemals Sägespäne, Katzenstreu, Styropor oder Plastik verwenden. Ein Verschlucken kann ernsthafte Folgen, bis hin zum tödlichen Darmverschluss haben. Als Schlafhäuschen eignet sich ein starker Karton (30 x 25 x 20 cm) mit einem seitlichen Schlupfloch von 10 mal 10 cm. Als Nistmaterial bietet man zerrissenes Zeitungspapier, Heu, Stroh oder trockenes Laub an. Sollte das Nistmaterial feucht und verschmutzt sein muss es ausgetauscht werden. Lässt es die Witterung zu sollten Igel in einem Freigehege untergebracht werden. Dort können vor allem Jungigel die Verhaltensweisen, die sie zum überleben in freier Natur brauchen ausbilden. Das Freigehege sollte mindestens 4 qm groß sein. Als Zaunmaterial eignen sich Holzbretter und sehr feiner Maschendraht. Der Zaun muss mindestens 50 cm hoch sein und 15 cm in den Boden eingelassen werden. Das Schlafhäuschen sollte gegen Feuchtigkeit geschützt werden.
Winterschlaf in menschlicher Obhut
Erreicht ein in menschliche Pflege aufgenommener Igel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (Jungigel 600-700 g, erwachsene Igel 1000-1400g) erst kurz vor dem Wintereinbruch oder danach, muss man mit dem Auswildern bis zum Frühjahr warten. Sie sollten ihm jedoch unbedingt die Gelegenheit zum Winterschlaf geben. Dazu bringen sie ihn in einem Raum mit niedriger (<6°C) Temperatur unter. Das bisher benützte Schlafhaus setzt man in einen größeren Karton, besser jedoch Holz- oder Spanplattenhäuschen (40 cm Kantenlänge). Den Spalt zwischen beiden Häuschen isolieren sie mit zusammengeknülltem Zeitungspapier. Im Winterquartier füttert man den Igel solange weiter, bis er das Futter nicht mehr anrührt. Hat sich der Igel zum Winterschlaf zurückgezogen, klebt man vor das Schlupfloch ein Stück Toilettenpapier. So kann man täglich kontrollieren, ob der Igel weiter schläft oder ob er nachts sein Haus verlassen hat. Wenn der Igel aus dem Winterschlaf aufwacht, muss er über ein Freigehege ausgewildert werden.
Auswilderung
Die Freilassung überwinterter Igel sollte Ende April/Anfang Mai erfolgen. Erwachsene Tiere und Jungigel, die bei der Aufnahme mehr als 250 g gewogen haben, sollten möglichst am Fundort ausgewildert werden. Jungigel, die unter 250 g wogen oder erwachsene Tiere die nicht an den Fundort zurückgebracht werden können, sollten in kleinräumig strukturierten Landschaften (abwechslungsreich mit Hecken) möglichst weit entfernt von stark befahrenen Straßen ausgewildert werden. Vor der Freilassung sollten Sie dem Igel zusätzlich Lebendfutter wie Regenwürmer und Mehlwürmer anbieten. Optimalerweise erfolgt die Auswilderung über ein Freigehege (wie bei Unterbringung beschrieben). Nach 2 – 3 Wochen öffnet man das Gehege und der Igel kann so die weitere Umgebung erkunden. Die im Gehege vorhandene Futterstelle wird noch für 1 – 2 Wochen mit Futter und Wasser versehen. Ist ein Auswildern über ein Freigehege nicht möglich so stellt man den Igel abends mit seinem Schlafhäuschen an eine geschützte Stelle unter eine Hecke, Gebüsch oder Reisighaufen. Nach der Freilassung ist es sinnvoll den Igel noch 1 – 2 Wochen abends zuzufüttern.
Aufzucht verwaister Igel
Bis zum Alter von 6 Wochen werden Igel gesäugt, sind also unselbstständige Babys und ohne Mutter nicht überlebensfähig. Igelsäuglinge brauchen eine ständige Wärmequelle. Dazu eignet sich eine mit handwarmen Wasser gefüllte Wärmeflasche oder eine temperaturregulierbare Wärmematte. Die Temperatur darf maximal 40°C betragen! Mehrere Junge wärmen sich auch gegenseitig, sie kühlen dann nicht so schnell aus. Um ein normales Sozialverhalten zu entwickeln, ist es für Igelbabys wichtig, Kontakt zu Geschwistern zu haben. Haben sie nur ein Baby fragen sie in ihrem nächstgelegenen Tierheim nach, ob irgendwo ein weiterer Igel großgezogen wird. Als Nest eignet sich ein kleiner Karton. Zur Unterscheidung markieren sie die Igelchen mit Nagellack oder Tipp-Ex. Jeder Igel muss täglich gewogen werden. Als Ersatzmilch eignet sich am besten das Präparat Esbilac ® aus der Tierarztpraxis. Alternativ zu Esbilac® kann man auch Welpi-Lac® oder Gimpet Cat-milk® (Aufzuchtpulver für Katzenwelpen aus dem Zoogeschäft) verwenden. Nicht verwendet werden dürfen die im Supermarkt oder Drogeriemarkt erhältlichen Milchpäckchen für Katzen (z.B. Whiskas oder O’Lacey’s Katzenmilch). Das Milchpulver am besten mit Fencheltee oder bei Blähungen auch Kümmeltee anrühren und handwarm in 1 oder 2 ml-Einmalspritzen verfüttern. Jungigel trinken unter natürlichen Umständen in Rückenlage und führen mit ihren Pfoten den Milchtritt gegen das Gesäuge der Mutter durch. Auch bei der künstlichen Aufzucht trinken Igel am besten in Rückenlage in der hohlen Hand. Die gesamte Futtermenge pro Tag entspricht ca. 25 – 35 % des Körpergewichtes. Pro Mahlzeit sind das ca. 1 Teelöffel bis 2 Esslöffel. Bis sich die Augen und Ohren geöffnet haben, füttert man die Kleinen tagsüber 8 mal und nachts 2 mal. Schrittweise wird dann die Anzahl der Mahlzeiten reduziert und gleichzeitig die jeweilige Nahrungsmenge angehoben. Säuglinge mit einem Gewicht von 100g werden nur noch 5 Mal täglich gefüttert. Die tägliche Gewichtszunahme liegt bis zu einem Körpergewicht von 90 g bei 4 bis 7 g pro Tag, danach bis zu 10 g täglich. Nach jeder Fütterung muss der Bauch und die Afterregion mit einem angefeuchtetem Wattestäbchen oder Taschentuch massiert werden um den Kot- und Urinabsatz anzuregen. Babykot ist normalerweise türkisgrün bis grün und besteht aus aneinander geklebten Kügelchen. Wenn die Milchzähne durchstoßen (ab ca. 19 Tage) bietet man den jungen Igeln die Ersatzmilch zusätzlich in flachen Schalen (z.B. Deckel eines Einmachglases) an. Nach und nach mischt man unter die Milch mehr Rührei, Tatar oder Katzendosenfutter. Im Alter von 30 Tagen müsste die Umstellung auf die Erwachsenenkost vollzogen sein. Im Alter von 5 Wochen bzw. mit einem Gewicht von 250 – 300 g sollten auch Wurfgeschwister getrennt und einzeln untergebracht werden.
Haben Sie noch Fragen oder Probleme bei der Aufzucht oder Pflege ihres Igels, dann sprechen sie mit uns persönlich. Die Untersuchung und Beratung ist für Wildtiere kostenlos. Lediglich die Abgabe von Medikamenten, Futter oder teure Materialien für Behandlung berechnen wir Ihnen bei einem Besuch.
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